Gesetzliches

Die Tätigkeiten des Tierheilpraktikers ist vielen gesetzlichen Regelungen und Verordnungen unterworfen. Auf bundesweiter wie auch auf europäischer Ebene. So wird der Beruf gesetzlich geregelt, obwohl er noch immer kein offiziell anerkannter Ausbildungsberuf ist. Die Tierheilpraktiker im FNT sind rechtlich immer auf dem neuesten Stand und werden regelmässig über Neuerungen und Entwicklungen informiert.

Das Arzneimittelgesetz (AMG)

Hier fassen wir die den Tierheilpraktiker betreffenden Regelungen zusammen:

Tierheilpraktiker oder sonstige heilkundlich bei Tieren tätige Personen sind arzneimittelrechtlich bzgl. der Anwendung von Arzneimitteln wie Tierhalter einzustufen. Für den Arzneimittelbezug und die Dokumentation gelten besondere Bestimmungen:

1. Anwendung:
Es bestehen keine rechtlichen Einschränkungen für die Anwendung von apothekenpflichtigen Arzneimitteln bei Kleintieren

Bei Lebensmittel liefernden Tieren sind jedoch die Bestimmungen des § 58 Abs. 1 Arzneimittelgesetz (AMG) zu beachten.

Apothekenpflichtige Arzneimittel, die für die zu behandelnde Tierart und das betreffende Anwendungsgebiet zugelassen sind, dürfen demnach von Tierhaltern und Tierheilpraktikern bei diesen Tieren ohne Anweisung eines Tierarztes angewendet werden. Die Dosierung, die Anwendungsdauer und die Wartezeit muss der Kennzeichnung des Arzneimittels entsprechen.

Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen lediglich entsprechend der Anweisung des Tierarztes für den betreffenden Fall eingesetzt werden. Bereits der Erwerb und das Lagern verschreibungspflichtiger Arzneimittel zur Anwendung bei Tieren ist dem Personenkreis der Tierheilpraktiker gemäß § 59a Abs.2 AMG verboten

Unabhängig von diesen nationalen Bestimmungen ist zu beachten, dass Stoffe, die in Anhang IV der EWG Verordnung 2377/90 gelistet sind, in keiner Konzentratioin bei Lebensmittel liefernden Tieren zur Anwendung kommen dürfen. In homöopathischer Form sind davon lediglich Colchicum und Aristolochia und seine Unterarten betroffen.

Blutegel sind nach der Novelle des AMG als Fertigarzneimittel eingestuft und benötigen daher eine entsprechende Zulassung. Sie sind apothekenpflichtig. Da es derzeit entsprechend zugelassene Blutegel gibt, dürfen Blutegel bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, NICHT angewendet werden.

2. Bezug und Dokumentation
Der Bezug apothekenpflichtiger Arzneimittel ist gemäß § 57 Abs 1 AMG lediglich in Apotheken erlaubt. Außerdem sind Tierheilpraktiker nach § 3 der "Verordnung über Nachweispflichten der Tierhalter fürArzneimittel, die zur Anwendung von Tieren bestimmt sind (Tierhalter - Arzneimittel - Nachweisverordnung)" verpflichtet, den Erwerb und Verbleib von Arzneimitteln zu dokumentieren. Nachweise über den Erwerb sind Rechnungen oder Lieferscheine, aus denen sich Art, Menge und Ewerbsdatum der Arzneimittel ergeben. Die Nachweise über den Verbleib von Arzneimitteln müssen Art und Menge der angewendeten Arzneimittel, sowie Name und Anschrift der tierhaltenden Person enthalten. Alle Nachweise sind 5 Jahre aufzubewahren

Die Anwendungen apothekenpflichtiger und verschreibungspflichtiger Arzneimittel, auch Homöopathika, bei Tieren, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen, müssen vom Tierhalter unverzüglich im sogenannten Bestandsbuch dokumentiert werden. Dies gilt sowohl für die vom Tierarzt als auch die für die aus einer öffentlichen Apotheke bezogenen Arzneimittel.

3. Freiverkäufliche Arzneimittel
Diese sind von dengeannten Vorschriften über Anwendung und Dokumentation von Erwerb und Verbleib nicht erfasst.

4. Abgabe von Arzneimitteln.
Die Abgabe von apotheken- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist nicht erlaubt, lediglich die Abgabe von freiverkäuflichen Arzneimitteln ist in der Regel und Voraussetzung des Sachkundenachweises gemäß § 50 AMG möglich.

5. Anzeigepflicht
Tierheilpraktiker sind gemaß §67 Abs 1 AMG anzeigepflichtig bei der zuständigen Behörde, sofern sie Arzneimittel lagern, verpacken oder in den Verkehr bringen.

Das bedeutet konkret:

1. Kleintiere können mit allen apothekenpflichtigen Arzneimitteln behandelt werden, auch wenn diese für den Menschen bestimmt sind.

2. Pferde gelten in erster Linie als Schlachttier. Vor der Behandlung muss vom Besitzer der Equidenpass vorgezeigt werden. Ist dort das Pferd als Schlachttier vermerkt, muss es auch als solches behandelt werden und unterliegt den Richtlinien für Lebensmittel liefernde Tiere. Ist das Pferd im Equidenpass als "Nicht-Schlachttier" deklariert, darf es nicht geschlachtet werden und unterliegt damit nicht mehr den Bestimmungen für Lebensmittel liefernde Tiere. Die reine Aussage des Tierbesitzers, dass das Pferd kein Schlachttier reicht nicht aus, auch die schriftliche Bestätigung des Tierbesitzers reicht nicht aus. Es muss der Equidenpass vorliegen und der THP muss sich selbst davon überzeugen.

3. Jeder THP, der apothekenpflichtige Arzneimittel anwendet, muss dies bei der zuständigen Arzneimittelüberwachungsstelle anzeigen.

4. Es sollte immer eine vernünftige Dokumentation über Erwerb und Verbleib erfolgen, auch wenn Kleintiere behandelt werden (Achtung 5 Jahre aufheben). Auch Tierheilpraktiker werden regelmäßig (meist alle 3 Jahre) von der Arzneimittelüberwachungsstelle unangemeldet überprüft.

5. Werden Lebensmittel liefernde Tiere mit dafür zulässigen Arzneimitteln behandelt, sollte der THP dies unverzüglich ins Bestandsbuch eintragen. Bei Pferden muss die Eintragung in den Equidenpass erfolgen. Der THP hat sich zu überzeugen, dass der Halter diesem auch nachkommt.

6. Ohne Sachkundenachweis darf ein THP an einen Tierhalter weder Futtermittel, noch Futtermittelergänzer, freiverkäufliche Arzneimittel oder auch Pflegemittel abgeben.

7. Es dürfen keine apothekenpflichtigen Arzneimittel an den Tierhalter abgegeben werden - auch keine Homöopathika für die Gabe am nächsten Tag! Apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen direkt am Tier vom THP angewendet werden.